Eine
Hauptpartie und ein Plakat
zum Abschied
Premiere für Oper "Fernand Cortez"- Kelly God geht an Staatsoper
Hannover
Thüringer Landeszeitung 22.03.2006
Von Nicole Richter
Erfurt. (tlz) Wenn Spontinis Oper "Fernand
Cortez oder
Die Eroberung von Mexiko" am Samstag, 25. März,
in der Oper Erfurt premiert, stehen wahrlich zwei Ereignisse ins Haus: Die
Oper wird erstmalig nach 100 Jahren wieder in Deutschland zu sehen sein, und
mit der Oper und ihrer Partie der Amazily gibt Sopranistin Kelly God ihren
Ausstand in Erfurt. Vier Jahre war sie am Haus und kann ohne Übertreibung
als "Eine der ganz Großen" bezeichnet werden. Seit einigen
Wochen kündigt ein Riesenplakat am Opernhaus von Kellys Abschied:
"Fernand je t'aime! Adieu Kelly!" steht dort. Wir sprachen mit der
31-Jährigen.
Frau
God, dieses Riesenplakat an der Hauptfassade des Theaters- haben Sie einen
heimlichen Verehrer im Malsaal?
(lacht) Nein. Generalintendant Guy Montavon ließ
es anbringen. Erst dachte ich, er macht Scherze; als ich es sah, war ich sehr
gerührt, denn nicht jeder bekommt so etwas Schönes zum abschied.
Ihre
letzte Partie in Erfurt-wie fühlen Sie sich?
Zweiseitig. Ich freue mich zwar riesig auf die neue
Aufgabe, diese neue Chance, aber es tut mir auch leid, Erfurt zu verlassen.
Ich hatte hier sehr liebe Kollegen, Freunde und Erfolg.
Die
Rollee der Amazily zum abschluss-ein süßes
Geschenk oder harte Arbeit?
Es ist die Hauptpartie mit drei großen Arien.
Es ist natürlich schön, sich mit so einer großen Partie zu
verabschieden. Dennoch ist es harte Arbeit,
denn Amazily ist eine seht dramatische Partie, für eine junge Künstlerin
wie mich eine Aufgabe, mit der ich einen Schritt weitergehe in meiner gesanglichen
Entwickelng, in meiner Karriere. Dirigent und Regisseur wissen um die Schwierigkeit
und helfen mir dabei sehr.
Was
lieben Sie an der Partie, was legt die Nerven blank?
Ich liebe das Dramatische, die Stärke dieser
Frau, ihr Selbstbewusstsein. Beunruhigt hatte mich am Anfang,
ob ich da konditionell durchkomme, ob mein Körper und meine Stimme schon
bereit sind, denn die ganze Zeit über singe ich in anstrengender Passagio-Lage,
dies verlangt sehr viel Konzentration.
Frau
God, wohin gehen Sie und warum?
An die Staatsoper Hannover. Ich hatte hier in Erfurt
einen sehr schönen Anfang meiner Karriere, ich habe tolle Chancen, großartige
Partien für eine Anfängerin erhalten. Doch es ist immer gut zu wechseln,
Neues zu entdecken für das eigene Weiterkommen.
Welche
Erlebnisse in Erfurt werden Sie nie vergessen?
Es war fantastisch ein Neues Haus, diese Oper, mit
eröffnen zu dürfen. Wir alle standen als Erste auf dieser Bühne,
nutzten als Erste die Garderoben. Das war einmalig.
Gab es auch harte Momenten?
Der Anfang war schwierig: Ich kam aus einem Dorf
in den Niederlanden, war zum ersten Mal von Zuhause weg, in einem anderen
Land, einer großen Stadt. Doch schnell fanden sich Freunde.
Für
die letzten Cortez-Vorstellung am 28. Mai- haben Sie Überraschungen geplant?
Eigentlich bedeutet mir die Premiere mehr als die
letzte Vorstellung. Wenn ich an diesen Samstag denke, wird mir warm und kalt,
bekomme ich Tränen in die Augen.
Ein
Gruß zum Abschied an die Erfurter Fans....
Ich möchte mich herzlich bedanken für die schönen Jahre in
Erfurt. Ich werde Erfurt und die Erfurter vermissen.


Rivalinnen
zwischen Liebe und Belcanto
Gaetano
Donizettis Oper "Maria Stuarda" erklingt in zwei konzertanten Aufführungen
Zeitgenossen
nannten Gaetano Donizetti ein liebenswürdiges Talent. Zudem war der Zeitgenosse
Rossinis und Bellinis ein äußerst fruchtbares Talent.
In fast atemloser Hast komponierte er 71 Opern, von denen sich allerdings
nur vier Werke im Repertoire
des Welttheaters erhalten haben. Ein davon ist die
auf Schillers Drama basierende "Maria Stuarda".
In der Titelrolle ist Kelly God, als Elisabetta Carola
Guber zu erleben.
Als Nachfahren des englischen Königs Heinrich des VII. sind Sie Rivalinnen mit Thronanspruch. Fühlen Sie sich vom Komponisten gleichwertig behandelt?
Kelly
God: Beiden Sängerinnen ist eine leidenschaft-
liche Musik zugedacht. Die Maria ist ein bisschen zweigeteilt: einerseits
sucht sie Schutz bei Elisabetta, anderseits erhebt sie Anspruch auf den Thron.
Carola
Guber: Die Partien sind in Musik und Impetus gleichwertig.
Der Schluss gehört Maria. Während sie
oft nur vorgibt, unterwürfig zu sein, hat Elisabetta keine andere Wahl,
als die Herrscherin herauszukehren, die sich gegenüber dern hochmütigen
Art Marias beherrschen muss. In Bedrängnis gebracht, zögert Elisabetta
lange, bis sie das Todesurteil unterschreibt.
Sind Sie mit Donizettis Musik vertraut? Welche stilistische Herausforderung bedeutet "Maria Stuarda" für Sie?
Carola Guber: Die Elisabetta habe ich in Hannover und Krefeld konzertant und Szenisch gesungen. Ich sage immer, ich habe kein Stimmfach, sondern ich bin Sängerin. Man sucht sich aus, was geht.
Kelly
God: Ich singe zum ersten Mal Donizetti und finde es
schön, alles auszuprobieren. Durch Donizetti bleibt
die Stimme flexibel. Das ist sehr wichtig, da die "Maria Stuarda"
meine vorletzte Premiere in Erfurt sein wird. Nach dieser Spielzeit gehe ich
nach Hannover und
Singe dort die Elisabeth im "Tannhäuser" und die Desdemona
in Verdis "Otello". Man darf sich nicht in
eine Schublade stecken lassen. In der Arbeit mit dem Dirigenten Karl Prokopetz
habe ich viel Belcanto gelernt. Stilistisch muss man mit den Tönen ganz
anders spielen. Ich bin auch zu meiner Lehrerin nach Holland gefahren, um
die Partie mit ihr zu studieren.
Bei Donizettis Musik, bezogen auf das Verhältnis von Virtuosität und Belcanto, ist oft vom Floskelhaften oder melodischen Leerlauf die Rede. Wie erfüllt man diese Musik mit Leben?
Kelly
God: Die Musik Donizettis hat viel Schwung und
ist schön genug, dass man sie ohne szenisches Spiel versteht. Natürlich
hatte ich Zweifel, ob Donizetti das Richtige für mich ist. Doch der Liedgesang
hilft mir
dabei sehr, denn auch im Lied muss man Ausdruck
auf engstem Raum zeigen.
Carola Guber: Ich versuche den Gefühlen der Elisabetta über die Musik viele Farben zu verleihen.
Kann man in einer konzertanten Aufführung überhaupt starke Gefühle exponieren?
Kelly
God: Über den Gesang geht alles.
Die Maria, mit der man kein Mitleid haben muss, hat
viele kleine Arien, die zumeist Ausdruck ihres Selbst-mitleids sind. Wir beide
müssen uns nur beherrschen, dass wir, wenn wir uns anschreien, nicht
anfangen zu lachen oder ein Smile-Gesicht aufsetzen.
Carola
Guber: Elisabetta zeigt zumeist Haltung, etwas Höfliches.
Und sie ist bissig aus innerer Verletzung heraus. Darin liegt schon eine fürchterliche
Ironie. Nur, wenn man sich gut versteht, kann man sich auf der
Bühne richtig "anzicken".
Lohnt sich die Mühe für nur zwei Aufführungen?
Kelly
God: Unbedingt. Wir bestimmen natürlich nicht
den Spielplan. Doch der Vorschlag für diese Oper kam von uns. Wenn "Maria
Stuarda" erfolgreich ist, könnte
es ruhig mehr Aufführungen geben.
Carola Guber: Diese Oper lohnt sich immer.
Die
Diva Spielt eine Diva
Komödie/Tragödie: Kelly God singt die Titelpartie in der Oper
"Adriana Lecouvreur"
Thüringer Landeszeitung 08.04.2004
Erfurt.
(tlz/nir) Es ist die Geschichte zweier Frauen,
die denselben Mann lieben, um ihn kämpfen,
gar vor Mord nicht zurückschrecken. In der Oper
"Adriana
Lecouvreur" von Francesco Cilea wird sie
erzählt nach einer wahren Begebenheit: Adrienne, Schauspielerin in Paris,
18. Jahrhundert, verliebt sich
in Graf Moritz von Sachsen, verbringt zehn Jahre mit
ihm, bis sie 38-jährig jung stirbt. Auch Fürstin von
Bouillon hat ein Verhältnis mit dem Grafen. Hat sie Adrienne umgebracht?
In der Oper wird das Gerücht Tatsache: Die Fürstin schickt der Rivalin
vergiftete Veilchen. "Adriana Lecouvreur" premiert Ostersamstag
im Theater Erfurt. Die Titelrolle singt Kelly God.
Kelly God (28) ist seit 2002 am Erfurter Theater, wir
trafen die Sopranistin.
Am
Theater hängt eine große Adriana-Werbung mit den
Worten: Mensch, was für eine schöne Musik.
Stimmen Sie dem zu?
Oh ja, die Musik dieser Oper ist unglaublich schön,
sehr emotional und anrührend.
Was
war Ihr erster Gedanke, als Sie erfuhren,
Sie spielen Adriana?
Super! Die Partie ist wunderschön. Zudem sind
Titelpartien immer etwas Besonderes, eine Herausforderung, gerade für
eine junge Sängerin.
Haben
Sie die Oper zuvor schon gesehen?
Nein, aber im Studium habe ich zwei Arien daraus
gesungen. Nun habe ich mir DVDs und Cds besorgt
und mich in die Geschichte vertieft.
Wie
ist Adriana? Wie interpretieren Sie sie?
Sie mischt Schauspiel und wahres Leben, ist Diva
und wenig später wieder die Echte mit tiefen Emotionen.
Ist stark, hat schwache Momenten. Viele meinen, ich
sei auch ein wenig Diva, aber im positiven Sinne, jedenfalls stecke ich viele
eigene Erfahrungen und Gefühle in diese Figur. Doch sicher werden die,
die
mich kennen, sagen: Jetzt ist die Kelly da als Adriana eine ganz andere.
Welche
Frauenrollen spielen Sie besonders gern?
Die emotionalen, die dramatischen. Dafür muss
man
sehr offen sein, sich trauen, vor Publikum so zu spielen.
Können
Sie den Rivalinnenkampf nachvollziehen?
Ich hab' Ähnliches erlebt. Ich würde aber
nie mit der
Frau kämpfen, sondern versuchen, den Mann von mir
zu überzeigen.
Könnten
Sie sich vorstellen, in der Zeit der Adrienne,
im 18. Jahrhundert, zu leben?
Ja, die Kleider sind herrlich. Beruflich würde
ich dann natürlich Sängerin sein.
Sie
lieben Ihren Beruf?
Er ist mein Leben. Einen Tag, an dem ich nicht
gesungen habe, habe ich nicht gelebt. Ich bin in einem
sehr musikalischen Elternhaus aufgewachsen. Schon
als Vierjährigen stand ich auf der Bühne, tanzte elf
Jahre lang Ballett, bis ich den Gesang entdeckte.
Haben
Sie ein Ritual vor Premieren?
Ich schlaf aus, putz die Wohnung, das lenkt von der
Nervosität ab, schmus mit meinen Katzen, nehme ein Bad.
Sie
leben seit 2002 in Erfurt. Gefällt es Ihnen hier?
Ich habe mich hier sogleich zuhause gefühlt,
da war sofort ein gutes Gefühl da.
Neben
der Premiere, wie schaut Ihr Ostern aus?
Meine Mutter, eine Cousine und zwei Freunde sind
da.
Ostersonntag Brunchen wir. Und vielleicht koche ich Ostermontag für Kollegen
Spargel. Ich koch' nämlich
sehr gern.
Mord
mit Veilchen? Mögen Sie die Blumen noch?
Sie waren und sind noch immer meine Lieblingsblumen.
Sängerin
mit Wirtschaftsdiplom
Die
Sopranistin Kelly God eroberte die Herzen der Erfurter Opernfreunde
Thüringer Allgemeine 18.11.2003
In
den vergangenen eineinhalb Jahren hat sich am Erfurter Theater ein neues Musiktheater-Ensemble
etabliert. Diesem gehören 13 fest engagierte
Sängerinnen und Sänger an. TA möchte sie in einer kleinen Serie
verstellen und dabei auch einen Blick hinter die privaten Kulissen werfen.
Als
Micaela, Nedda, Agathe und Katharina von Bora hat sich u.a. die 1975 in den
Niederlanden geborenen Sopranistin Kelly God auf Deutschen Opernbrettern vorgestellt.
In der Landeshauptstadt sang sie sich schnell in die Herzen der Musikfreunde.
Das mag auch daran liegen, dass sich Kelly God unter der Stabführung
des GMD Walter E. Gugerbauer wie ein Fisch im Wasser fühlt.
Das Freischwimmen in der Kunst begann für Kelly God sehr früh. Vom
vierten bis zum 15. Lebensjahr nahm sie klassischen Ballettunterricht und
lernte die Faszination von Bühne und Publikum kennen. Durch ihren Vater,
der Autohändler und ein guter Amateursänger war, richtete sich die
Aufmerksamkeit von Kelly God mehr und mehr auf den Gesang. Als sie mit 15
Jahren in die Musikschule eintrat, versicherte ihr Lehrer: " Da ist mehr
drin."
"Und so bin ich langsam in die Sache reingerollt",
erzählt Kelly God, nicht ohne hinzufügen dass sie auch einen Großhandel
eröffnen könnte, da sie ein Wirtschafts-diplom besitzt. Was sie
anfasst, scheint ihr leicht zu fallen. Bevor sie 2001 an der Maastrichter
Hochschule für Musik ihre Konzertreife-und Opernprüfung mit "Auszeichnung"
ablegte, machte sich Kelly God Jahre zuvor für die Aufnahmeprüfung
mit den Worten "Dann gehe ich mal Vorsingen" Mut. Humor, Disziplin
und Bühnenpräsenz halfen Kelly God bei den ersten Schritten ihrer
Karriere. Ganz wichtig wurde für sie die Begegnung mit dem Intendanten
Guy Montavon, der ihr in Gießen während einer Carmen-Pause sagte;
"Ich will dass Sie mitkommen." Obwohl Kelly God freimutig bekennt,
dass sie stolz ist, hier auftreten zu dürfen, möchte sie nicht in
Erfurt hängen bleiben. Deshalb arbeitet sie weiter an sich, ist auf der
zielstrebigen Suche nach ihrem Stimm-
fach zwischen lyrisch und jugendlich-dramatisch und
hält zu ihrer Lehrerin von der Maastrichter Musik-
hochschule regelmäßig Kontakt. Wer Kelly God als Maria im "Friedenstag"
erlebt hat, wird ihrer Lehrerin Mya Besselink zustimmen, wenn sie sagt: "Nach
dem Friedenstag ist alles einfach." Egal wie schwierig die Partien sind,
Kelly God ist eigentlich sehr ruhig vor den Auftritten. Gegen Lampenfieber
hat sie ein ganz simples Mittel. Sie putzt ihre Wohnung. Viele schöne
Rollen liegen bereit, doch die Sängerin fiebert erst richtig einer Partie
entgegen, wenn sie genau weiß, dass sie sie ach singt. Bei allem mag
ihr ein Holländisches Sprichwort helfen, das sie zu ihrem Lebensmotto
gemacht hat: "Ein Tag nicht gelacht, ist ein Tag nicht gelebt."
Ganz in diesem Sinn behauptet Kelly God von sich:
"Ich singe mich nicht ein, ich lache mich ein."
Zum relaxen bracht Kelly God drei Dingen - Couch, Katzen, Fernsehen. Ohne
ihre Katzen wäre sie nie nach Erfurt gezogen. Das sind, wie sie sagt,
ihre Kinder. Entspannung bieten Kelly God auch ein guter Psychokrimi, alte
Spielfilme und Künstlertreff in der "Johannesklause", wo Wirt
Norbert schon einige Bananen-Weizenbiere (ein God-spezial-Mix) für die
Sängerin eingeschenkt hat. Eine Spezialität, welche die "Johannesklause"
bislang nicht anbietet, können Kelly Gods Freunde und Kollegen bei ihr
zuhause genießen.
Es ist ein Holländisches Nationalgericht nach einem Rezept von ihrer
Oma und heißt: "Maastrichter Sauerfleisch." Die strengen Maastrichter
Kriterien bzw. die Zutaten finden sich am Ende des Beitrags.
Das Leben einer Sängerin, da ist sich Kelly God sicher, geht nicht über
Rosen. Möge sie noch viele Blumen-
sträuße nach Premieren und Konzerten überreicht bekommen.